Ist Barfen gefährlich?

Published : 27.08.2021 14:38:40
Categories : Barf

Rund um die Barf-Ernährung für Hunde oder das „Barfen“ gibt es eine Menge Vorurteile und Missverständnisse. Die einen meinen Barfen sei gesundheitsschädlich für den Hund, die anderen fürchten um die eigene Gesundheit oder denken, der Hund werde durch Rohfleisch aggressiv. Wir gehen diesen Punkten etwas genauer auf den Grund.

Was ist das Barf-Konzept eigentlich genau?


Geprägt wurde der Begriff „Barf“ oder auch „B.A.R.F.“ von der Kanadierin Debbie Tripp. Als passionierte Hundehundehalterin hatte Tripp zunehmend mit Gesundheitsproblemen bei ihren Hunden zu kämpfen.
Sie orientierte sich an dem Konzept „Natur“ und stellte ihre Hunde auf Rohfleischfütterung um.

Diese Art der Fütterung hat es natürlich auch schon vor dem Begriff „Barf“ gegeben und wurde hauptsächlich von Jägern und anderen Naturalisten praktiziert.

Debbie Tripp gab dem Konzept einen Namen: B orn A gain R aw F eeders.
Das bedeutet zu Deutsch in etwa „wiedergeborene Rohfütterer“.

Der Begriff machte einige Wandlungen durch und besonders in den USA und Australien griffen Hundefreunde die Idee auf. Mal wurde aus der Abkürzung „Bones And Raw Foods“ (Knochen und rohes Futter), dann „Biologically appropriate raw food“ (biologisch artgerechtes Roh-Futter).

Das Beutetierprinzip als Grundlage der Barf-Ernährung

Die Idee hinter dem Konzept ist sehr einfach. Tripp und andere Hundehalter kamen auf die Idee, dass die gesundheitlichen Probleme ihrer Fellnasen etwas mit dem Futter zu tun haben könnten.

In der Tiernahrungsindustrie ist ein gefährlicher Trend zu entdecken: Denn sowohl in Nass-, als auch in Trockenfutter steckt immer mehr Getreide, welches der Hund von Natur aus nicht verdauen kann.

Vertreter der Roh-Fütterung sind davon überzeugt, dass die Hundeverdauung bis heute viel näher an der Ernährungsweise von Wildhunden oder Wölfen, als an aufgepoppten Kroketten und Dosen mit minimalen Fleischanteilen, ist.

Beutetiere des Wolfes setzen sich wie folgt zusammen:

• frisches Muskelfleisch
• Blut, mit den darin enthaltenen Nährstoffen
• Knochen mit Mineralien
• einen kleinen Pflanzenanteil im Mageninhalt
• und schlussendlich auch das Fell und Beiwerk (darmreinigende Ballaststoffe).

Was bekommen gebarfte Hunde?

Barf-Futter besteht aus Muskelfleisch, Innereien, Knochen und Fisch. Die Mengen sind den prozentualen Anteilen eines Beutetiers angepasst.
Futtermittelhändler für die Rohfleischfütterung bieten perfekt zusammengestellte Komplett-Sets an. Der Halter muss die Portionen nur öffnen und das Futter zur Verfügung stellen.

Andere Halter nutzen Barf-Rechner im Internet und stellen die Komponenten selbst zusammen.

Zusätzlich zum Fleisch bekommen die gebarften Hunde noch einen kleinen Anteil an Gemüse oder Obst. Da das Fleisch heutiger Schlachttiere oft nicht ganz so viele Mineralien und Nährstoffe zur Verfügung stellt, wie Wild, können Nahrungsergänzungsmittel mit Vitaminen und Mineralien angezeigt sein. Deshalb sollte auf die Qualität des Fleisches geachtet werden.

Was gilt am Barfen als „gefährlich“?

Über die Barf-Fütterung gibt es viele Missverständnisse und Vorurteile:

1. Rohfütterung macht Hunde aggressiv.
2. Es kann ein Nährstoffmangel entstehen.
3. Rohes Fleisch liefert zu viel Protein.
4. Rohes Fleisch ist zu oft mit Bakterien verseucht.

Wir schauen uns diese Vorurteile genauer an.

Macht rohes Fleisch Hunde wirklich aggressiv?

Wie bereits erwähnt, wurde die Rohfleischfütterung vor dem Siegeszug der Barf-Ernährung hauptsächlich noch von Jägern praktiziert. Oft bekamen die Hunde Reste eines erlegten Wildes oder die Rohfütterung wurde zur Instinkterhaltung betrieben.

Die andere Gruppe der Rohfleischfütterer waren Metzger und Fleischer. Noch vor mehr als hundert Jahren hatten viele Fleischer typische bullige Hunde, die nur Rohfleisch bekamen.

Dass von diesen beiden Typen und Berufsfeldern ein gewisses Stigma der Aggressivität oder der Brutalität ausgeht, ist nachvollziehbar.
Diese Attribute im Wesen der Hunde kam aber weniger von der Rohfleischfütterung, sondern mehr vom Umfeld.

Viele indigene Völker wie die Samen im hohen Norden ernähren ihre Hunde seit Jahrhunderten roh. Dabei haben sich besonders menschenfreundliche und zahme Hundearten herausgebildet. Den Zusammenhang von Rohfleischfütterung und Aggressivität gibt es also sicher nicht.

Begeistert und wach oder aggressiv?

Wenn Hundehalter durch die Gabe von rohem Fleisch plötzlich Wesensveränderungen bemerken, können sich Hundefreunde auch diese Frage stellen:
Ist der Hunde wirklich wild und böse oder freut er sich nur und ist gierig auf den frischen Happen?

Plötzlich bekommt ein Hund ein Stück saftig rohes Fleisch. Er riecht den Duft von Innereien. Seine Zähne und der Kiefer haben endlich wieder etwas zu beißen.

Das kann im Hund ungeahnte Lebensgeister wecken und genau darum geht es bei der Rohfleischfütterung ja auch.

Leiden gebarfte Hunde wirklich an Nährstoffmangel?

Viele Hundehalter haben bei den fertigen Packungen von angeblichen Ernährungsexperten ein besseres Gefühl, als bei der selbstständigen Zusammenstellung von Hundefutter.
Dennoch leiden viele herkömmlich ernährte Hunde unter Zahnstein, Blasensteinen und anderen Nährstoffüberschüssen.

In den USA gab es zahlreiche Studien zur Barf-Ernährung für Hunde. Dabei kamen teilweise erschreckende Ergebnisse zutage.
Die Hunde litten oft unter einem Mangel an Calcium, Kupfer, Zink, Iod, Vitamin A und D.

Gründe für diese Mängel können sein:

• minderwertiges Fleisch
• schlechte Zusammensetzung der Portionen
• Fütterungsfehler durch die Halter.

Gegner der Studien führten unter anderem auch die herangezogenen Richtwerte als Gegenargument heran. Schwankungen im Vitamin und Mineralienhaushalt sind Teil einer natürlichen Ernährung.

Weiter gibt es auch mindestens genauso viele Studien, die zu dem Ergebnis kamen, dass gebarfte Hunde wirklich gesünder und glücklicher sind.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang, die nachfolgenden Punkte bedingungslos einzuhalten:

• Gebarfte Hunde sollten nur rohe Futtermittel bekommen.
• Die Portionen müssen am besten von Experten berechnet sein.
• Halter müssen sich strikt an die Fütterungsempfehlungen halten und dürfen nicht experimentieren.

Steckt in Rohfleisch wirklich zu viel Protein?

Auch wenn so manch eine „Tierarzt-Formel“ oder Hundeernährungs-Bibel gerne etwas anderes vormacht: Tatsächlich ist es so, dass bis heute niemand weiß, wie viel Eiweiß ein Hund tatsächlich braucht und ab wann ein Überschuss vorliegt.

Proteinüberschüsse werden mit Nierenproblemen und anderen organischen Belastungen in Verbindung gebracht. Nierenschäden entstehen bei Hunden in der Regel aber nicht durch Eiweiß, sondern durch zu viel Salze, Zucker (aus Kohlenhydraten), Umweltgifte usw.
Wenn die Nieren einmal geschädigt sind, kann der Hund Protein nicht mehr so gut verstoffwechseln. Das stimmt.

Vermutlich wirkt sich jedoch das gegarte Protein gemeinsam mit Getreide ganz anders im Hundeorganismus aus, als frisches Protein ohne Getreideüberschuss.

Bis die Wissenschaft hier zu eindeutigen Ergebnissen gekommen ist, können noch Jahrzehnte vergehen.

Im Endeffekt muss man sich hier an die vielen positiven Stimmen der Menschen halten, die bei ihren Hunden chronische Leiden, Allergien oder Wesensprobleme durch das Barfen verringern oder sogar ausschalten konnten.

Und wie sieht es mit der Keimbelastung durch die Barf-Ernährung aus?

Es ist kein Geheimnis, dass rohes Fleisch ein heikles Nahrungsmittel ist. Im Rohfleisch kommen Keime wie Listerien, Salmonellen und Coli-Bakterien vor. Die Menge der Bakterien hält sich in Grenzen, wenn die Kühlkette bei Fleisch immer eingehalten wurde. Die restlichen Erreger werden normalerweise beim Garen abgetötet.
Bei der Rohfleischfütterung muss das nicht unbedingt der Fall sein.

Einige Studien kamen zu dem Ergebnis, dass gebarfte Hunde wesentlich mehr Salmonellen ausschieden, als eine „normal“ ernährte Vergleichsgruppe.

Allerdings sagen die Studien wenig darüber aus, woher das Fleisch stammte, wie gut es gekühlt wurde und wie lange es vor dem Verfüttern offen stand oder ob Hunde überlagerte Reste aus Fressschüsseln zu sich nahmen.

Vergleichsstudien kamen zu dem Ergebnis, dass sich die Belastung mit Keimen um ein Vielfaches verbesserte, wenn das Barf-Fleisch tiefgefroren war. Der Gefriervorgang vernichtet zwar nicht alle Keime, jedoch trotzdem eine hohe Anzahl.

Bakterien sind überall auf frischen Nahrungsmitteln zu finden. Das Immunsystem eines gesunden Menschen kommt immer mit einer bestimmten Anzahl klar. Nur immunschwache Personen, Senioren, Schwerkranke, Kinder, Babys und Schwangere sind schon durch eine geringe Anzahl an Keimen gefährdet.

Den Hunden selbst machen die Bakterien in der Regel nichts aus. Ein Hund kann schließlich auch Aas verzehren.

Auch diesen Punkt muss man also vorsichtig betrachten. Werden die folgenden Kriterien eingehalten, ist das Barfen auch aufgrund einer eventuellen Keim-Belastung kein Problem:

• Rohes Fleisch am besten sofort verfüttern.
• Vorräte nur tiefgefroren aufheben.
• Reste aus Schüsseln sofort entfernen und nicht mehr verfüttern.
• Nur Fleisch mit gesicherter Herkunft und Qualität verwenden.
• Beim Umgang mit Rohfleisch immer auf Hygiene achten.
• Messer und Schüsseln nach einer Nutzung heiß spülen.
• Nach dem Umgang mit Rohfleisch oder Fisch immer die Hände gründlich waschen.

Ist die Barf-Hundeernährung gefährlich oder nicht – das Fazit

Durch die Rohfleischfütterung kommt es zu einigen Besonderheiten, die bei normalem Trocken- und Nassfutter nicht bestehen: Rohfleisch ist ein sensibles Nahrungsmittel. Es muss frisch verzehrt werden, darf nicht lange gelagert oder liegen gelassen werden.
Insbesondere zur warmen Jahreszeit sind höchste Vorsicht und Hygienemaßnahmen von großer Bedeutung.

Eine Nährstoffunterversorgung oder ein Proteinüberschuss kann vermieden werden, in dem erprobte Konzepte und Zusammenstellungen von Experten verfüttert werden.
Von eigenen Experimenten und dem Barf-Füttern nach Lust und Laune sei hier dringend abgeraten.

Abschließend stimmt es außerdem nicht, dass Rohfleisch Hunde aggressiv oder beißwütig machen würde. Dabei handelt es sich um Vorurteile aus längst vergangenen Zeiten oder um falsche Bewertungen natürlicher Verhaltensweisen.

 

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