Der Hund, ein Karnivor?

Published : 14.05.2021 19:57:13
Categories : Barf

Was sind eigentlich Karnivore?



Der Begriff Karnivor stammt aus dem Lateinischen. "Carnis" bedeutet das Fleisch und "vorare" fressen oder verschlingen. Karnivore sind also ganz einfach Fleischfresser. Es gibt verschiedene Arten von Fleischfressern in der Natur. Neben fleischfressenden Tieren gibt es auch noch fleischfressende Pflanzen und fleischfressende Pilze auf der Erde.

Betrachten wir aber erst einmal nur die tierischen Fleischfresser. Sie unterscheiden sich ganz erheblich von den Herbivoren (Pflanzenfressern) und den Omnivoren
(Gemischtfressern). Viele Tierarten gehören zu den Karnivoren, darunter Land-und Wasser-Raubtiere aber auch Vogel-und Reptilienarten, Spinnen-und Käferarten.

Auch die Säugetiergattung der Raubtiere wird als Carnivora bezeichnet. Allerdings ist diese Bezeichnung etwas missverständlich, weil nicht alle Raubtiere Fleischfresser und nicht alle Fleischfresser Raubtiere sind. So sind zum Beispiel Bären zwar Raubtiere, aber keine Fleischfresser.

Die weitaus meisten Raubtierarten bevorzugen Muskelfleisch, aber auch Knochenteile und Innereien von Beutetieren, die sie selbst jagen und erlegen. Um das erfolgreich tun zu können, sind sie von der Natur passend eingerichtet. So haben sie zum Beispiel ein starkes Gebiss und lange spitze Eckzähne oder Fangzähne, die sie brauchen, um Beute festzuhalten und zu töten. Auch die Backenzähne sind genau auf die Nahrung angepasst. Sie funktionieren wie eine starke Schere und können Fleisch- und Knochenbestandteile zerkleinern. Die kleinen und flachen Schneidezähne dagegen, können Fleischreste von den Knochenstücken abschaben. Im Gegensatz dazu haben Pflanzenfresser keine spitzen Zähne, sondern sehr breite Backenzähne, mit denen sie die Pflanzen oder Pflanzenteile zermalmen. Die Allesfresser dagegen, vereinen die Merkmale des Gebisses von Fleisch- und Pflanzenfressern. Aber nicht nur das Gebiss unterscheidet sich bei den tierischen Karnivoren von dem anderer Tiere, sie haben im Verlauf der Evolution auch besondere Fähigkeiten entwickelt, um an ihr Fressen zu kommen. So sind sie schnell und kräftig, haben scharfe Krallen zum Beute greifen, können oft auch im Dunklen sehr gut sehen und sich geräuschlos anschleichen. Aber auch das Verdauungssystem ist der Nahrung perfekt angepasst und erlaubt es ihnen auch, Rohfleisch und Knochenteile, ja sogar Aas zu fressen und mühelos zu verdauen.

Ist der Hund ein Karnivor?

Das ist er mit Sicherheit. Schließlich stammen alle Hunde vom Wolf ab und auf diesen Ahnen treffen einhundertprozentig alle Attribute zu, die einen Fleischfresser ausmachen. Die genetische Ähnlichkeit zwischen beiden beträgt über 99 Prozent. Und jeder Mensch weiß, dass die Hauptnahrung der Wölfe aus Wild besteht. Je nachdem, wo sie leben, fressen sie Feldhasen und Wildkaninchen, Mäuse und Rehe, Hirsche, Rentiere, und Gämsen, sowie ab und an zu sehr geringen Teilen auch Beeren und Früchte.

Eine große wissenschaftliche Studie, die vor einigen Jahren mit wildlebenden Hunden, die nicht von Menschen gefüttert wurden, im afrikanischen Simbabwe durchgeführt wurde, ergab folgendes Ergebnis: Etwa 50 Prozent ihrer Nahrung bestand aus Fleisch und Knochen von erbeuteten Tieren. Weitere 25 Prozent waren Aas und Tierabfälle sowie Müll und 20 Prozent tierischer und menschlicher Kot. Nur etwa 5 Prozent bestand aus Insekten, aus Früchten und Pflanzen. Allerdings gibt es auch dem widersprechende Studien, wonach bei verwilderten Haushunden in Europa die fleischlosen Futteranteile überwiegen. Das ist allerdings kein Wunder, weil diese Hunde in der Regel nicht in Wald und Flur, sondern in belebten Städten leben und das Jagen und Beute machen in der Natur deshalb nie gelernt haben. Schon seit vielen Jahren streiten Wissenschaftler und Hundehalter sich darüber, ob Hunde durch ihre Anpassung an das Leben mit den Menschen nicht doch inzwischen zu Allesfressern geworden sind. Dieser Streit wird von beiden Seiten oft sehr vehement und kompromisslos geführt und es scheinen Welten aufeinander zu prallen, wenn es darum geht, seinen Vierbeiner richtig und gesund zu ernähren. Werden jedoch die gesundheitlichen Auswirkungen betrachtet, die durch herkömmliches Industriefutter ausgelöst werden, wird schnell deutlich, dass eine artgerechte Fütterung der eines Wolfs gleichkommt.

Natürlich ist es unbestritten, dass der in enger Gemeinschaft mit den Menschen lebende Hund es meistens auch übersteht, wenn er Trocken-oder Nassfutter mit einem hohen Getreide-und Gemüseanteil bekommt, oder mit allen möglichen Essensresten gefüttert wird. Allerdings sind Reis, Nudeln und co. für Hunde absolut ungesund und können sogar starke Unverträglichkeiten hervorrufen. Es gibt aber durchaus Hunde, für die Äpfel, Birnen und Weintrauben Leckerbissen sind, die sie mit Begeisterung fressen. Aber das alles bedeutet nicht, dass sie ihrer Natur und ihrer Anlagen nach kein Karnivor wären.

Das Hundegebiss - ein ganz typisches Fleischfresser-Gebiss

Hunde haben genau wie Wölfe ein ganz typisches Raubtiergebiss mit 42 Zähnen. Davon sind 4 Eck-oder Fangzähne, 12 Schneidezähne, 16 Vorbackenzähne (Prämolarien) und 10 Backenzähne (Molaren). Mit den Fangzähnen halten sie „die Beute“, mit den Schneidezähnen reißen sie das Fleisch oder schaben es vom Knochen ab. Zudem pflegen sich die Karnivoren mit diesen Zähnen und knabbern Fremdkörper aus dem Fell. Die scharfkantigen Vorbackenzähne, die hinter den Eckzähnen liegen, werden gebraucht, um Fleischteile von den Knochenteilen abzureißen. Sie werden deshalb auch als Reißzähne bezeichnet. Mit den Backenzähnen können Hunde außerdem feste Sachen wie Knochen knacken und zerkleinern. Hunde kauen praktisch gar nicht, sie schlingen ihr Futter in größeren Brocken hinunter. Deshalb sind auch in ihrem Speichel keine Verdauungsenzyme vorhanden, ganz anders als bei den Pflanzenfressern.

Das Verdauungssystem der Hunde

Hunde haben, wie alle Fleischfresser, auch einen ganz speziellen Verdauungsstrakt. Er ist nicht optimal dafür ausgelegt, Pflanzenprodukte wie Gras und Getreide verdauen zu können. Das kann schon daran festgestellt werden, dass der Magen größer als bei Pflanzenfressern und die Magensäure wesentlich aggressiver ist. Wenn das "Fleisch-Signal" ihr Gehirn erreicht, wird die Produktion der Magensäure sozusagen auf Vollbetrieb umgestellt. Der Darm ist bei Fleischfressern dagegen wesentlich weniger lang als bei Pflanzenfressern und dadurch die Verweildauer des Futters viel kürzer. Bei den Pflanzenfressern bleibt die teilweise verdaute Nahrung noch lange im Darm und auch im Dickdarm finden bei ihnen noch Abbauprozesse statt, die bei den Fleischfressern nicht vorhanden sind. So ist zum Beispiel der Darm eines großen Hundes etwa 7 Meter lang, der einer Kuh dagegen etwa 70 Meter. Schon aus diesem Grund sollte der Hauptteil der hundegerechten Ernährung auch in der heutigen Zeit noch aus tierischen Komponenten bestehen, um gut verdaut werden zu können.

Schadet eine Misch-Ernährung oder vegetarische Ernährung den Hunden?

Es gibt viele Tierhalter, die ihre tierischen Lieblinge ausschließlich mit Fertigfutter aus dem Tierladen oder aus dem Supermarkt ernähren. Dieses Futter enthält neben mehr oder weniger hohen Fleischanteilen oft auch Gemüse, Kartoffeln, Getreide, Reis und Nudeln. Manche Hersteller von Hundefutter werben auch mit dem Zusatz von Vitaminen, Mineralien und essenziellen Fettsäuren. Der Profiteur aller dieser Zusätze ist aber sicher nicht der Hund, sondern viel eher die Herstellerfirma. Wer trotzdem aus Bequemlichkeit unbedingt Fertigfutter für Hunde verwenden möchte, sollte wenigstens darauf achten, dass es nicht mit Reis oder Nudeln „gestreckt“ ist. Die ihnen von der Industrie aufgezwungene Mischung von Fleischanteilen und Gemüse verkraften die Hunde meist nicht optimal. Was sollen sie jedoch tun, selbst auf Jagd gehen und Beute machen, ist ihnen nicht mehr möglich, das hat der Mensch ihnen längst abgewöhnt.

Es gibt tatsächlich sogar Hundehalter, die ihre Hunde vegetarisch ernähren und ihnen statt Fleischbestandteilen pflanzliches Protein füttern, wie es zum Beispiel in Dinkel und Lupinen, in Linsen und Soja enthalten ist, oder ihnen tierisches Eiweiß wie Quark und Eier zu fressen geben. Oft geben sie dafür als Grund ethische oder religiöse Gründe an. Menschen, die aus diesen Gründen die Massentierhaltung oder auch das Töten von Tieren grundsätzlich ablehnen und selbst aus Überzeugung vegetarisch oder sogar vegan leben, wollen auch ihre Tiere fleischlos ernähren. Es gibt mittlerweile Studien und sogar Doktorarbeiten, die beweisen wollen, dass auch eine vollkommen fleischlose Kost den Hunden nicht schaden würde. Die allermeisten Tierärzte weisen jedoch darauf hin, dass zwar einige pflanzliche Nahrungsquellen für Hunde ganz gut verwertbar sind, aber die Versorgung mit den richtigen essentiellen Aminosäuren bei dieser Art von Ernährung nicht gegeben ist. Ihr Aminosäureprofil passt für die Tiere nicht. Auch in Hinsicht auf die Vitamine, Mineralien und Mikronährstoffe brauchen vegetarisch ernährte Hunde in der Regel ständig bestimmte Nahrungsergänzungsmittel.

Fazit

Dass auch der verwöhnte und verhätschelte Couch- und Schoßhund zu den Karnivoren gehört, ist einfach Fakt. Was man ihm am besten füttert und was ihm am liebsten ist, lässt sich nicht ganz so bestimmt sagen. Schließlich frisst unser liebstes Haustier fast alles, was wir ihm in den Napf geben oder als Leckerli anbieten. Der Hund ist meist nicht wählerisch. Aber man sollte trotzdem davon ausgehen, dass eine natürliche Hundenahrung nicht aus Linsen, Lupinen und Soja besteht und auch, wenn die Hunde sie kurzzeitig verkraften, ist sie nicht wirklich artgerecht, weil sie ihren biologischen Voraussetzungen nun mal nicht entspricht.

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