Mythos: Barf macht Hunde aggressiv

Published : 06.04.2021 21:32:29
Categories : Barf

Mythen unter der Lupe: Barf macht Hunde aggressiv

Unter Hundefreunden ist schon so mancher Streit entbrannt – autoritäre Erziehung versus verständnisvolles Handling, Leine oder leinenlos, Trockenfutter oder ausschließlich Nassfutter. Was letzteren Diskussionspunkt angeht, so hat dieser das Potenzial, ganze Gassi-Vereine zu spalten: Wie ernähre ich meinen Vierbeiner richtig? Eins der meistdiskutierten Themen ist dabei das des Barfens. Eine Frage, die sich bei diesem Punkt häufig stellt, ist folgende: Macht Barf Hunde wirklich aggressiv?

Welche ist die artgerechte Ernährung für meinen Hund?


Eines ist definitiv richtig: Vegetarisch oder gar vegan sollte die Hundeernährung nicht sein. Der Fellfreund ist und bleibt, aller Liebe zu anderen Tierarten zum Trotz, ein Fleischfresser. Diese Art der Ernährung sollte er auch ausleben dürfen, da er sonst krank werden könnte.
Im Prinzip gibt es nur ein einziges Futtermittel, das für deinen Hund artgerecht ist, und das ist Fleisch. Wichtig ist dabei, ebenso wie beim Menschen, eine ausgewogene Kost. Diese erzielt man nicht, indem der Hund jeden Tag das gleiche Nassfutter in der Schüssel parat hat, sondern dadurch, dass er täglich eine Auswahl verschiedener Fleischsorten (Muskelfleisch, Innereien) und Knochen vorfindet. So stellst du sicher, dass die Fellnase alles bekommt, was sie braucht.
Gewürzte Lebensmittel sind hingegen tabu. Mancher Hundefreund erlaubt dem Vierbeiner ab und an ein Stückchen Wurst vom Tisch oder die Reste des eigenen Steaks – dies sollte definitiv nicht zur Regel werden, wenn du einen gesunden Vierbeiner möchtest. Stark gewürzte Speisen greifen mit der Zeit die Nieren an und können sogar dafür sorgen, dass dein Fellfreund ungewürzte Speisen verschmäht. Es tritt ein Gewöhnungseffekt ein.
Doch wie sieht es nun mit dem Thema Barf aus? Ist dies die artgerechte Ernährung für deine Fellnase?

Warum barfen?


Schauen wir uns einmal die Inhaltsstoffe von handelsüblichem Nassfutter an, stellen wir folgendes fest: Der Fleischanteil in den verschiedenen Produkten kann extrem variieren und besteht zudem manches Mal aus minderwertigen Fleischsorten, die zum Teil mit Gewürzen oder anderen ungesunden Zusätzen vermischt werden, um dem Vierbeiner das Futter schmackhaft zu machen. Viele Nassfuttersorten sind vergleichbar mit Fertigprodukten beim Menschen – recht lecker, aber definitiv auf Dauer nicht gesund.
Das Barfen hingegen ist vergleichbar mit dem frisch gekochten Mittagsmahl: Du weißt exakt, was du deinem Gefährten vorsetzt. Du weißt auf welche Weise du deinen Freund mit der frischen Kost verwöhnst. Barfen findet mit rohem Fleisch sowie Innereien, Knochen, Blättermagen, Pansen und optional einem geringen Obst- und Gemüseanteil statt. So erhält dein Fellfreund alles, was er an Nährstoffen braucht.
Das Barfen ist also im Prinzip die natürlichste Art, seinen Hund zu ernähren.
Es gibt jedoch eine Frage, die immer wieder für erhitzte Gemüter sorgt: Macht das Barfen diesen wirklich aggressiv?

Macht das Barfen aggressiv?


Woher kommt nun der Mythos, das Barfen mache deinen Fellfreund aggressiv? Was ist an der Behauptung dran, das frische Fleisch wirke auf deinen Hundefreund wie eine Überdosis Zucker auf einen Menschen mit ADHS?
Zunächst einmal gibt es nicht eine Studie, die einen Zusammenhang zwischen Aggressionen beim Canis lupus familiaris und der Ernährung mit frischem Fleisch herleiten kann. Wenn man sich zudem die Beißstatistiken anschaut und gleichzeitig weiß, dass fast neunzig Prozent unserer Hundefreunde in Deutschland mit Fertigfutter ernährt werden, so ist doch ein Zusammenhang zwischen falscher Erziehung und Beißvorfällen wahrscheinlicher als der zwischen dem Barfen und aggressivem Verhalten.
Folgende wahrscheinliche Auslöser aggressiver Verhaltensweisen sind Beißvorfällen zugrunde zu legen:

  • Falsche Erziehung
  • Ein ängstlicher Grundcharakter in Verbindung mit falschem Verhalten des Gegenübers
  • Biochemische oder genetische Ursachen
  • Traumata
  • Schmerzen oder unentdeckte Krankheiten


Das Barfen zählt definitiv nicht dazu – eher im Gegenteil.

Ernährung mit minderwertigen Eiweißen


Dass die Ernährung eine Rolle bei unerwünschten Verhaltensweisen des Vierbeiners spielen kann, ist hingegen unbestritten. Allerdings bezieht sich dies eher auf minderwertige Eiweiße, die eben nicht durch das Barfen, sondern durch qualitativ nicht sehr hochwertiges Fertigfutter geliefert werden.
Dieses enthält nämlich häufig verschiedene Zusätze, wie beispielsweise Mais- oder Weizenkleber. Daneben spielen die darin enthaltenen neutralen und langkettigen Aminosäuren, wie Tyrosin, eine große Rolle. Diese ersetzen in kommerzieller Fertignahrung jene essentiellen Aminosäuren, die Hunde eigentlich brauchen – wie Tryptophan. Letzteres stellt eine Vorstufe von Serotonin dar, dem sogenannten Glückshormon. Dieses wirkt sich auf existentielle Weise auf die Stimmung aus. Wird zu wenig davon gebildet, entsteht eine reizbare Grundstimmung, und zwar beim Hund ebenso wie beim Menschen.
Das erwünschte Tryptophan ist unter anderem in Milchprodukten und Fleisch, also tierischen Erzeugnissen, enthalten. Kommerzielles Fertigfutter enthält häufig zu wenig davon. Wenn also ein Futtermittel dazu geneigt ist, Hunden eine gereizte Grundstimmung aufzuerlegen, ist es eher Fertigfutter – und nicht frisches Fleisch. Letzteres sorgt für eine gesteigerte Aufnahme von Tryptophan und somit für eine höhere Freisetzung des „Glückshormons“ Serotonin. Häufig berichten Hundebesitzer, dass ihr Vierbeiner nach der Umstellung auf Barf gelöster und ausgeglichener wirke.

Aggressionen durch Schmerzen


Was haben nun Schmerzen mit dem verwendeten Futtermittel zu tun? Viele Hunde vertragen die – nicht ganz artgerechte – Ernährung mit Fertigfutter nicht. Sie neigen zu Bauchschmerzen, Krämpfen und Blähungen. Schmerzen sind einer der häufigsten Auslöser für aggressives Verhalten bei Hunden. Mancher Hundebesitzer wundert sich, wenn sein Fellfreund plötzlich reizbar ist, jedoch wird die Ursache nicht immer bei schmerzhaften Beschwerden gesucht.
Bei aggressivem Verhalten sollte stets zeitnah ein Tierarzt aufgesucht werden. Dieser kann auch zu einer Nahrungsumstellung raten, die in vielen Fällen schon dafür sorgt, dass sich Bauchschmerzen und somit das aggressive Verhalten in Luft auflösen.

Das Barfen macht also definitiv nicht aggressiv. Im Gegenteil sorgt eine Futterumstellung häufig dafür, dass sich solche unerwünschten Verhaltensweisen zurückbilden, da es dem Fellfreund durch die artgerechte Hundeernährung schnell besser geht.

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